Mit ‘Entlang dem Nacken gleitet der Mond’ getaggte Beiträge

Seid gegrüßt ihr geschätzten Leser des Lexemtentakels,

nach Zeiten des Müßiggangs wird es wieder mal Zeit euch etwas neues zu bieten. In diesen präapokalyptischen Zeiten des Kapitalismus (wie ich diese Epoche wiederholt gerne nenne) ist es leider oft schwer dem Kuss der Muse zu folgen um meinen Lesern etwas Neues zu bieten. Auch ich komme dieser Tage nicht sooft zum Dichten wie ich es gerne täte und bin dann gezwungen aus meinem Manapool den ich mir glücklicherweise in den Jahren meines dichterischen Sturms und Drangs angezüchtet habe. Ich finde, aber nicht, dass alles davon für die Öffentlichkeit bestimmt ist und mein Schaffensdrang drängt mich auch neues zu tun. Wo ich wieder bei der Zeit gelandet bin, die so spärlich ist wie das monetäre Vermögen das sie ausschüttet. (Wenn jemand genügend Vertrauen hat, bin ich einem guten Mäzen natürlich nicht abgeneigt. Dieser soll sich dann einfach über das Impressum bei mir melden).

Sei’s wie ist, in den nächsten Tagen werde ich euch mit der Lyrik eines Dichters erfreuen, den ich selbst sehr schätze: Ruud van Weerdenburg. Er ist ein guter Freund und Kollege und hat mich in meinem literarischen Schaffen oft unterstützt und zu Neuem inspiriert. Vor ein paar Wochen, bei einem Bier hat, nach seiner Lesung in der Artfabriek in Graz haben wir uns seit langem wieder ein bißchen unterhalten und er hat mir erlaubt aus seinen zwei, beim Löcker Verlag erschienen, Gedichtbänden „Entlang dem Nacken gleitet der Mond“ und „Enthauptetes Licht strahlt in der Nacht“ ein paar Gedichte am Lexemtentakel zu veröffentlichen. „Danke, Ruud!“
Da mir die meisten der Gedichte sehr gut gefallen und ich schon positive Rezension für beide der Werke in verschiedenen Printmedien veröffentlichen konnte, fällt es mir mir dadurch besonders schwer eine Auswahl zu treffen die den Werken gerecht wird. Deshalb habe ich mich entschlossen die Gedichte, die die Herzstücke der beiden Bände bilden NICHT hier zu publizieren. Wenn jemandem die Kostprobe gefällt ist er/sie herzlichst dazu aufgefordert, auf einen der obigen links zu klicken und sich einen, oder gar beide, beim Löcker Verlag direkt zu bestellen.

Ohne viel klicken zu müssen, findet man die gesammelten Gedichte des Dichters hier.
Eine kurze Biographie des Autors finden Sie „hier“.

Viel Spaß beim Lesen wünscht euch

eurer LeXeMtEnTaKeL

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1.
Gesucht wurdest du wahrscheinlich als Kind schon,
so wie ich dich jetzt kenne
Vielleicht auf dem Strand, aber bestimmt
im Wald

Und auf der gemeinschaftlichen Leiter war deine Sprosse
auch nicht mehr zu entdecken

Für einander Entgehen und Finden gilt ein und derselbe
Kompass. Und gerade deswegen wurde unser Kontakt
schon nicht mehr menschlich

Auch weil wir einander fünf Jahr nicht sahen eine
zufällige Umarmung sorgte Brust an Brust
für einen aufrechten Schlangentanz

2.
Dann – und wir waren die ersten – verfielen wir zurück auf
das
Erforschen
der Feinheit der Bäume in gegenseitiger Abwesenheit
Ein Schneesturm unter heißen Windbewohnern, weil Säfte
und Gefahren von sich sprechen konnten, im Laub
das uns verbarg doch sich selbst entblößte

Lang, sehr lang dauerte es, bevor ich mich tatsächlich
zu fragen traute, in welchem Stock – oder warum nicht ich

– eigentlich dort wohnte
Nicht auf einem Zweig,
wurde im Nebel über dem Horizont entdeckt,
dass irgendwo unten am Stamm,
der Bambus in Schichten wächst

In den Poren der Schönheit:
Herbst
Licht, das zu silberweiß war
fürs Weltliche
und in seiner Geschwindigkeit
stolz jubelnd seine übersinnliche Erotik
bewies:
Rost fandest du schließlich
auf Straßenbahnschienen und Fahrradfelgen

Zurückgekommen, gelandet, angespült
trieb deine Konzentration auseinander
in Gedanken
die sich wieder zu Hause fühlten
auf Eisschollen
oder auf treibenden bolivianischen Inseln

Tote, die zu vollkommenen,
und Lebende, die zu unvollendet waren

Dreißig Jahre sind wir
und die Toten spielen uns
genau solche Streiche wie die Lebenden –

Truglicht, das angeht an
unerwarteten Stellen,
schlangenzüngelndes Irrlichterblinken, das
im Nachhinein gar nichts bedeutet

Mit niemandem konnte er sprechen über
die Blitzgegebenheiten, die Wider-
scheine und Wasserlichtspiegel
ohnegleichen

Aber es ging auch so: Mit kleinen Schritten
schob er durch den überaus vollen
Amsterdamer Markt

Aus welchem Wirrwarr von Umwegen war er
schließlich in diese Stadt gekommen?
Welcher Werfer steckte hinter den im Sonnen-
oder Lampenlicht blitzenden Messern?
Nachzitternd bestimmt jeder Wurf
eine Lebenslinie,
einen seidenen Faden

Der Chinese fühlt sich schon etwas wohler
in seiner Haut

Er bezahlte seinen Kohl
mit klingender Münze

Milchweißes Mondlicht durchspießt mich
die ganze Nacht
Drehend herum die Weltachse
Von welchem Tier stammt es?

Die Sterne am Firmament geben einen ansehnlichen Ochsen preis
In der Zange auf alle Fälle deiner sanfte Wange

Und es muss doch wohl fast
ein himmlischer Ochse sein
wenn wir getrennt weiter lebend aber
aus demselben Euter
trinken bleiben